Die Bucket List - Checkliste des Lebens?

Bucketlist

Ich habe eine Löffelliste. Die ist gar nicht so kurz und es kommen immer mal wieder neue Dinge dazu. In dieser Liste schreibe ich all die Dinge auf, die ich im Leben

gerne erleben möchte. Inspiriert wurde ich dazu  - wie so viele - von dem Film "Das Beste kommt zum Schluss". Im Original heißt er bezeichnenderweise "The Bucket List".

 

Wenn du schon meinen Beitrag über die Finanzierung einer Langzeitreise gelesen hast, dann weißt Du, dass ich ein ziemlicher Listen-Mensch bin. Aber wie ist das jetzt mit der Bucket List? Ist es das lediglich eine Checkliste fürs Leben? Wieso führen wir überhaupt eine? Wegen dem Belohnungseffekt? Ist sie nicht nur eine einfache Möglichkeit, unser Glück planen und in Häppchen aufteilen zu können? Und wie fühlen wir uns eigentlich, wenn wir nicht alle Sachen darauf abhaken können?


Die Bucket List als Gesellschaftsphänomen

Obwohl manche Leute meine Liebe zu Listen nicht nachvollziehen können, bin ich doch mit meiner Löffelliste in zahlreicher Gesellschaft. Viele Menschen schreiben zu Hause eine. Nahezu jeder Reiseblogger hat seine Liste auf seiner Seite veröffentlicht. Und es gibt sogar offizielle Seiten wie bucketlist.org, auf der man sich Inspiration holen kann. Ganz oben steht dort momentan der Punkt "Climb the Mount Everest". Dort vereinigen sich viele Menschen bei dem Gefühl, etwas Großes, etwas Besonderes zu erleben. Oder zumindest gemeinsam davon zu träumen. 

 

Ich persönlich hole mir meine Inspiration an anderer Stelle. Ich lese einen Reisebericht oder höre eine spannende Geschichte. Ich sehe ein tolles Bild auf Pinterest oder eine Dokumentation über ein bestimmtes Land. Meistens überfällt es mich dann einfach. Und wenn ich mir in dem Moment denke, dass ich das auch gerne sehen oder erleben möchte, dann landet es auf meiner Löffelliste. Für mich ist eine Bucket List eben etwas sehr Persönliches.

 

Bucket List - Checkliste des Lebens?

Aber warum schreiben wir eigentlich so eine Liste? Genügt es uns nicht, die Sachen einfach zu erleben?  Den Moment zu genießen? Müssen wird noch das Erfolgserlebnis haben, sie von einer Checkliste streichen zu können?

 

Oder wollen wir im Zeitalter der Social Media einfach anderen zeigen, was wir schon alles erlebt haben? Frei nach dem Motto: Guck mal, ich war Bungeejumpen, für den Halbmarathon trainiere ich gerade und als Nächstes plane ich Backpacking in Europa.

 

Möchten wir damit vielleicht anderen beweisen, was wir alles können? Dass man etwas schaffen oder sich überwinden kann? Eine Art virtuelles Phishing-for-compliments?

 

Das glaube ich eher nicht. Ich persönlich habe auf meiner Löffelliste eigentlich nur Sachen, mit denen ich positive Gefühle verbinde. Ich denke nicht, dass auf ihr jemals Bungeejumping stehen wird. Die Vorstellung, irgendwo runter zu springen... ein Graus für mich. Ich fahre ja noch nicht mal Achterbahn!

 

Ich möchte viel lieber auch "kleine" große Sachen auf meiner Liste stehen haben. Zum Beispiel meinen Kindern mein Elternhaus zeigen, mutig sein oder im Regen tanzen. Denn auch solche Dinge können sehr glücklich machen!

 

Vielleicht wollen wir aber auch nur unsere Erlebnisse und damit verbundenen Gefühle mit anderen teilen. Im Internet finden wir Menschen, die dieselbe Leidenschaft haben wie wir. Das ist in unserem direkten Umfeld selten so einfach. Das ist vermutlich schon eher der Grund für die zahllosen Löffellisten: Wir wollen nicht alleine sein. Wir definieren uns über unsere Listen genauso wie wir uns über unsere "Gefällt-mir"-Angaben in Facebook definieren. Wir grenzen uns gegenüber anders Denkenden ab. Gleichzeitig finden wir aber auch Gleichgesinnte, die dieselben Träume haben. 

 

Die Bucket List - Das Glück in Listenform

Aber macht eine Löffelliste wirklich glücklich? Was ist, wenn man von vielen Sachen, die darauf stehen, immer nur träumen wird? Werden wir am Ende, kurz bevor wir sterben, glücklich sein oder enttäuscht? So eine Liste hält einem ja schließlich nicht nur vor Augen, was man schon alles erlebt hat. Sie zeigt einem auch immer auf, was man noch nicht "geschafft" hat. 

 

Für mich persönlich hat meine Löffelliste wohl zwei Gründe, die beide mit dem Vergessen zu tun haben.  Erstens bin ich nicht sonderlich gut mit Namen. Das heißt, ich erinnere mich zwar emotional an dieses coole Bild von einer... Salzwüste...??, bei der es in der Regenzeit so aussieht, als würde man auf Wasser laufen. Aber sowas findet man einfach nicht mehr so leicht wieder. Besser, ich schreibe mit gleich "Salar De Uyuni in Bolivien" auf. Die Liste hat für mich also einen ganz praktischen Sinn. Zumindest in Bezug auf Destinationen.

 

Zweitens kann ich mich damit an schöne Dinge zurück erinnern. Die Liste fühlt sich ein bisschen an wie ein altes Fotoalbum. Man blättert gerne darin herum und erinnert sich an bestimmte Situationen. Und nicht nur das. Ich kann mich auch auf das Kommende freuen. Das Spannende ist nämlich, dass mir schon das Schreiben der Liste Befriedigung verschafft. Manchmal fühle ich mich zwar ein wenig wehmütig, aber doch auch voller Vorfreude auf das, was noch kommen mag.

 

Bucket List als Checkliste des Lebens? Nicht für mich. Sie stellt eine schöne Erinnerung dar, eine Hilfe im Alltag, eine Anregung zum Träumen. Ein Fotoalbum, das man sich an einem verregneten Sonntagnachmittag zur Hand nimmt und durchblättert. Eher eine Art Glück in Listenform.

Teilen:


Hast du Angst, auf deiner Reise etwas zu vergessen, möchtest aber trotzdem nur das Nötigste einpacken? Dann trag dich für meinen Newsletter ein und du erhälst kostenlos meine ultraleichte Packliste speziell für Südostasien.

Wie sieht es bei dir aus, welche drei "kleinen" großen Sachen stehen auf deiner Bucket List?

Kommentar schreiben

Kommentare: 9
  • #1

    Ilona (Mittwoch, 11 Februar 2015 09:12)

    Jetzt sehe ich gerade, dass Du auch einen Artikel zum Thema Sinn und Unsinn einer Bucketlist geschrieben hast. Das habe ich auch erst kürzlich... Mein Resumee fällt aber ein bisschen anders aus. Denn eigentlich ist die Bucketlist ja das, was man NOCH NICHT getan hat. Nicht das, was man bereits getan hat. Das wird abgehakt und weiter am nächsten Punkt gearbeitet - zumindest kommt mir das bei vielen Leuten so vor.
    Ich habe natürlich auch eine Bucketlist, aber inzwischen habe ich auch eine Reverse Bucketlist und die ist viel länger und macht mich noch viel glücklicher :)
    Ilona

    https://wandernd.wordpress.com/2015/02/08/meine-es-war-grosartig-obwohl-es-nicht-auf-meiner-bucketlist-stand-liste

  • #2

    Tanja (Sonntag, 15 Februar 2015 10:48)

    Bisher habe ich meine Bucket Liste nur im Herzen, vielleicht auch, weil es mich belastet, wenn sie zu lange wird und ich mir so viele Reiseziele nicht erfüllen kann, die wichtigsten kann ich mir merken :-)

    Das mit den kleinen Dingen finde ich unheimlich wichtig, sonst kommt mit so Listen auch schnell mal frust auf und was gibt es schöneres, als kleine Momente bewusst zu genießen!

    Alles Liebe,
    Tanja

  • #3

    travelisi (Montag, 16 Februar 2015 13:07)

    Hey Ilona,
    auf jeden Fall ein tolles Konzept. Eine Reverse-Bucketlist werde ich mir wohl auch mal erstellen=)
    Viele Grüße=)

  • #4

    travelisi (Montag, 16 Februar 2015 13:09)

    Hey Tanja,
    kann ich gut verstehen, wenn man seine Löffelliste nur im Herzen behält! Ich bin halt ein kleiner Listenfreund, deswegen musste ich mir natürlich schon lange eine machen;)
    Aber ja, solche kleinen Dinge sind wirklich sehr wichtig, denn auch die können unglaublich glücklich machen. Dazu finde ich Ilonas Idee einer Reverse-Bucketlist übrigens auch sehr passend.
    Viele Grüße, Lisa

  • #5

    Nils (Sonntag, 22 März 2015 19:13)

    Bucketlists liegen im Moment wirklich sehr im Trend. Ich finde sie haben sowohl vor und Nachteile. Man sollte sich von der eigenen Liste nicht unter Druck gesetzt fühlen sondern Energie und positives aus ihr ziehen :)
    Die Idee einer Reverse-Bucketlist find ich auch sehr interessant.
    Viele Grüße
    Nils

  • #6

    travelisi (Donnerstag, 26 März 2015 05:45)

    Hey Nils,
    ja, genau so sehe ich das auch. Meine Reverse-Bucketlist werde ich auch irgendwann mal angehen.
    Viele Grüße, Lisa

  • #7

    Fräulein Julia (Dienstag, 03 November 2015 08:16)

    Ich habe auch eine Löffelliste - allerdings bisher noch nicht aufgeschrieben, sondern nur im Kopf. Ehrlich gesagt glaube ich, dass ich mich von einer Schwarz-auf-Weiß-Liste etwas unter Druck gesetzt fühlen & möglicherweise die wirklich spontanen, fabelhaften Erlebnisse dadurch verpassen würde.
    Anfang des Jahres hatte ich mir eine Mini-Löffelliste gebastelt - und habe gerade mal die Hälfte davon gemacht. Dafür viele schöne ungeplante Dinge... ;)

    http://www.fraeuleinjulia.de/15-dinge-die-ich-2015-tun-moechte/

  • #8

    bucket list (Freitag, 19 August 2016 14:39)

    Hey I don't have words to describe this post. I simply want to say that absolutely informative post.

  • #9

    amit (Montag, 22 August 2016 09:03)

    I really like ur article n I have learned alot from this post..