Wie man in der Namib seine innere Ruhe wiederfindet

Namib

Heute habe ich einen Gastbeitrag von Lynn von Lieschenradieschen-reist für Dich, die sich gerne erst einmal vorstellen möchte:

Lynn Lieschenradieschen-reist

Hey, ich bin Lynn. Da meine Eltern schon immer gerne unterwegs waren, wurde mir das Reisefieber sozusagen in die Wiege gelegt. In Europa habe ich mittlerweile schon relativ viel abgegrast, weshalb ich meine Kreise ausdehnen musste. Neben Nordamerika bin ich irgendwann in Kenia gelandet. Damit hat meine kleine Passion für Afrika begonnen. Vor allem der Süden, also Südafrika und Namibia haben es mir angetan. Mehr davon und über meine anderen kleineren und größeren Reisen, könnt ihr auf meinem Blog Lieschenradieschen-reist erfahren. Zuletzt war ich in Namibia und habe dort eine Tour gemacht. VierzehnTage und Nächte lang war ich immer mit dem Zelt unterwegs und der Natur ganz nah. Von einem meiner Lieblingserlebnisse möchte ich Dir hier nun berichten.

Namib Düne

4:45 Uhr. Mein Wecker klingelt. In meinem noch schlaftrunkenen Gehirn breitet sich eine Mischung aus Vorfreude und dem Wunsch, sich wieder in den Schlafsack zu kuscheln, aus. Natürlich siegt die Vorfreude und ich schäle mich aus meinem Zelt. Draußen schlägt mir die klare und kalte Wüstenluft entgegen. Über mir erstreckt sich ein Sternenhimmel, zu dessen Beschreibung mir die Worte fehlen. So etwas muss man mit eigenen Augen sehen.

 

Ich mache mich auf den Weg zum Waschraum. Hier probiere ich in einem müden Versuch, den Sand von meinem Körper zu entfernen. Nach einiger Zeit gebe ich allerdings auf und beschränke mich aufs Zähne putzen. Wie sagen meine Mitreisenden und ich so schön? „It´s the desert.“ Da kann man nichts machen und genau deshalb sind wir auch in Namibia.

 

Wir, das sind übrigens meine einundzwanzig Mitreisenden plus die zwei Guides, die gleichzeitig auch unsere Fahrer, Köche und Entertainer sind und natürlich unser riesiger Overlandtruck.

 

Schnell kippe ich noch einen Tee herunter und schon sitzen wir alle im Truck. Wir haben direkt im Nationalpark übernachtet und so sind wir die ersten, für die sich gegen fünf Uhr das Tor in den Park öffnet. Zum Glück haben wir während der kurzen Fahrt noch Zeit die Augen zu schließen. Ich bin allerdings viel zu aufgeregt dafür. Immer wieder muss ich raus schauen, um mich zu vergewissern, dass die Dünenlandschaft wirklich real ist.

Namib Wüste

Endlich halten wir und stehen am Fuße einer riesigen Düne. Bei der Fahrt gibt es zwischen den Overland Companys traditionell einen kleinen Wettstreit, wer als erstes ankommt. Wir waren leider nur die zweiten, aber Hey! Ich stehe mitten in der Namib, es ist unglaublich still und ich werde gleich diese Düne besteigen. Wen interessiert da noch ein Wettstreit?

 

Ich mache mich kurz mit der Düne vertraut: Düne45, weil sie 45 Kilometer vom Parkeingang entfernt ist, von wunderschöner roter Farbe und Freilufttheater für ein unglaubliches Naturschauspiel.

 

Schon nach wenigen Metern merke ich, wie anstrengend diese Besteigung werden wird. Ich mache zwei Schritte nach vorne und werde einen wieder nach hinten geworfen. Dankbar nutze ich jedes Fotomotiv für eine Pause. Ab Hälfte des Weges fange ich an, Eisen zu schmecken. Kurz frage ich mich, ob ich mir Sorgen machen muss. Allerdings wurde mir am vorherigen Tag erzählt, dass die Namib zum teilweise aus Eisen besteht. Ich schiebe es also da drauf. Einige der Jungs haben es übrigens versucht, die Düne rennend zu erklimmen. Zu meiner Erleichterung sind sie gescheitert.

Düne Namib

Oben angekommen sind wir gerade noch pünktlich, um uns einen Sitzplatz zu suchen. Ehe ich sitze, erscheint auch schon der riesige Feuerball namens Sonne am Horizont. Im Sekundentakt verändert sich nun die Farbe der Wüste. Zunächst liegen die Dünen noch im Schatten. Schnell werden sie aber mehr und mehr erleuchtet und wechseln ihre Farbe von Schwarz, zu blau, zu rot. Wir alle sind sehr ehrfürchtig und man hört nur das vereinzelte Klicken der Kameras. Obwohl, das ist nicht ganz richtig: Die Dünen machen Geräusche, man sagt auch sie singen. Eine einmalige Geräuschkulisse.

 

Diese wird nur kurz von einem der Guides unterbrochen. Er stößt mich an und deutet auf eine Herde Oryxe-Antilpoen, die am Fuße der Dünen grasen. Der Postkartenkitsch wude erfüllt und ich fühle mich in Namibia mehr als angekommen.

Namib Sonnenaufgang

Langsam fangen die ersten Sonnenstrahlen an zu wärmen. In der Nacht wird es in der Wüste manchmal bitterkalt, aber so langsam beginnen wir alle, wieder aufzutauen. 

 

Nachdem die Sonne am Himmel steht, machen wir uns auf den Rückweg. Zum Glück gibt es hier einen ganz einfachen Trick. Einfach die steile Seite der Düne hinunter laufen. Sieht vielleicht auf den ersten Blick halsbrecherisch aus, aber man kann kaum mehr Spaß haben.

Unten erwartet uns nach all den vielen Sinneseindrücken ein herzhaftes Frühstück. Das gerade Erlebte hallt noch nach und so essen und trinken wir schweigend. Unterbrochen wird die Ruhe nur von einigen, die ihre Schuhe von Sand befreien müssen. Unglaublich, wie viel Wüste in einen einzelnen Schuh passen kann.

 

Je mehr jedoch die Sonne wärmt, desto mehr wächst auch unser Tatendrang. Ein Besuch der Namib, wäre nämlich kein vollständiger Besuch ohne Fahrt zum 

Deadvlei.

 

Also schnell wieder die Stühle wieder, die Tische einpacken und rein in den Truck. Der letzte Kilometer isz nur noch für 4x4 Fahrzeuge zugelassen, also mussten wir nochmal in Jeeps umsteigen. Zusammengequetscht saßen wir schließlich zu dritt auf der Rückbank. Und das war auch gut so. Die Fahrer haben sich schon wieder Rennen geliefert und einer ist verrückter gefahren als der andere. Bei jedem Schlagloch wurden wir wild hin und her geworfen. Jedenfalls haben wir viel gelacht.

Namib Truck

Und so - mit der Nase im Wind und der Wärme der Wüste auf der Haut - habe ich mich unglaublich frei gefühlt. 


Anschließend ging es zu Fuß weiter. Mitten durch die Wüste, immer den Fußspuren der anderen folgend. Vorbei an allerhand Kuriosem. Die Wüste ist nämlich nicht tot, sondern recht lebendig. Überall sind Fußspuren aus der vergangenen Nacht. Aus diesen können manche wie aus Zeitungen lesen. Außerdem gibt es hier Pflanzen, die ihren Samen solange verschlossen halten, bis ein Tropfen Wasser drauf fällt. Dann geben sie ihn frei und die Wüste erblüht.

 

Und plötzlich spuckt der Wüstensand eine Tonpfanne aus, auf der einige verdorrte Akazienbäume stehen. Einst floss hier ein Fluss entlang. Allerdings wurde ihm der Weg vom Sand versperrt und er trocknete aus. Jetzt bildet diese Pfanne das Bild, das Menschen im Kopf entsteht, wenn sie an Namibia denken. Und nun stehe ich hier und bin meiner eigenen Vergänglichkeit bewusst. 

 

Ein Gefühl aus Ehrfurcht und Euphorie durchströmt mich und ich glaube, ich habe dümmlich vor mich hin gegrinst. Diese Gegend hat mich einfach nur glücklich gemacht.

Namib Baum Arkazienbaum

Tja, wahrscheinlich könnte ich noch ewig über meine Liebe zur Wüste schreiben, aber irgendwann muss auch mal gut sein. Mehr zu meiner Reise nach Namibia findest Du auf meinem Blog Lieschenradieschen-reist.

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Warst du schon mal in Namibia? Was hat dir besonders gut gefallen?

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Kommentare: 3
  • #1

    Tanja (Mittwoch, 11 Februar 2015 22:17)

    Ein toller Bericht.
    Ich hätte große Lust, direkt dorthin zu fahren.
    Das klingt so toll, als wär man live dabeigewesen.
    Danke für das tolle Erlebnis.

    Viele Grüße
    Tanja

  • #2

    Uta (Freitag, 13 Februar 2015 10:27)

    Hallo! Toller Bericht. Ich war auch in Namibia und habe ganz ähnliche Fotos gemacht. Ich traue mich bisher kaum, einen Bericht zu schreiben, weil ich diese Faszination für die Wüste kaum in Worte fassen kann. Ich bin nicht esoterisch veranlagt, aber wenn, würde ich sagen, die Namib ist wirklich ein Kraftort....
    Liebe Grüße,
    Uta

  • #3

    Lynn (Freitag, 06 März 2015 10:57)

    Danke für euer schönes Feedback.
    Es ist wirklich ein magischer Ort und vielleicht tatsächlich auch ein Kraftort... Wie auch immer. Ich war noch sehr lange von diesem Erlebnis erfüllt und denke beinahe täglich zurück.