WOOP oder: Wie du aus deinen Träumen Realität werden lässt

Heute gibt es von mir einen etwas anderen Artikel. Ganz ohne Bilder oder Reiseerfahrungen. Er beschäftigt sich vielmehr mit dem Umsetzen der eigenen Träume. Inspiriert wurde ich dazu von einem kürzlich in der "Zeit" erschienenen Artikel, ein Interview mit Gabriele Oettingen. Sie ist Psychologie-Professorin und forscht seit Jahren in New York und Hamburg über Zukunftsdenken und dessen Auswirkungen. In dem Interview hat sie ein Phänomen beschrieben, dass ich bis dato selbst schon oft an mir beobachtet habe. Bisher hatte ich es aber nie wirklich begriffen.

 

Das Problem mit den Zukunftsträumen

Jeder kennt sie, jeder hat sie auch schon bei anderen beobachtet, aber nur wenige setzen sie um: Zukunftsträume. Gerne würden wir unsere Träume umsetzen. Nur leider schleicht sich allzu oft der Alltag dazwischen. Und plötzlich heißt es statt "ich mache" plötzlich "ich werde irgendwann machen".

 

Jetzt denkst Du Dir sicher sowas wie "Ja, Lisa, weiß ich ja alles. Ich muss halt endlich mal machen. Aber schreibst du hier wirklich schon wieder so einen Motivationstext, wie es zigtausende im Internet zu finden gibt? Und was zur Hölle ist das eigentlich für ne komische Überschrift?" Nein. Auch wenn ich diese Texte wirklich toll finde und es davon meiner Meinung nach kaum genug geben kann, hier geht es eher um die praktische Seite. Es geht also darum, wie ich es schaffe, meine Träume wirklich umzusetzen. Und die Überschrift hat auch seine Berechtigung, nur Geduld ;-)

 

Besagte Prof. Dr. Oettingen hat nämlich Folgendes herausgefunden: Je eher man daran glaubt, dass man es schafft, seine Zukunftsträume umzusetzen, desto unwahrscheinlicher ist die tatsächliche Umsetzung. Das klingt zunächst, als stünde es im Widerspruch zu dem, was man so oft gehört hat. "Think positiv" ist doch ein allseits beliebter Tipp! Das allein aber genügt nicht, wie Oettingen nachgewiesen hat.


Um die Auswirkungen des positiven Denkens zu erforschen, hat Oettingen über fünfzehn Jahre experimentelle Studien zu diesem Thema durchgeführt. Einige Studien beschäftigten sich mit Frauen, die abnehmen wollten. Diese hat sie vor Beginn befragt, wie sie einschätzen, dass die Gewichtsreduzierung auch wirklich funktioniert. Das erstaunliche Ergebnis: je positiver die Probandinnen in die Zukunft blickten, desto schlechter fiel im Vergleich zu den pessimistischeren Damen das Ergebnis aus.

 

Der daraus gezogene Schluss: "Positives Zukunftsdenken führt oftmals zu schlechterer Leistung und Misserfolg." Aber woran liegt das?

 

Ein positives Gefühl als Hindernis

Im Grunde genommen handelt es sich um Selbstbetrug mithilfe unseres Belohnungsmechanismus. Dieser funktioniert durch positive Gefühle. Das Problem mit den Zukunftsträumen ist nun, dass sie schon im Moment der Vorstellung als angenehm empfunden werden.

 

Jeder, der schon Fernweh hatte oder von einer guten Note in Schule oder Studium geträumt hat, kennt das Gefühl. Der Traum von der lang erträumten Selbstständig-keit oder davon, Chef oder Partner endlich die Meinung zu sagen, fällt auch hierunter. Im Moment der Vorstellung beschäftigt man sich jedoch nicht mit den Problemen, die damit in Zusammenhang stehen. Das Augenmerk wird nur auf die Folgen gerichtet: Was man auf Reisen alles machen wird. Was für einen tollen Job man mit der Abschlussnote bekommt. Dass man endlich so viele Probleme lösen könnte, wenn der Gegenüber wüsste, was als störend empfunden wird.

 

Man beschäftigt sich also nicht mit der Umsetzung, sondern mit dem Ergebnis. Der Eindruck des Erfolgs wird dadurch schon vorweg genommen. Dadurch hat man das Gefühl, sich nicht mehr bemühen zu müssen. Wenn man also den Erfolg erwartet, setzt man nicht mehr so viel um, um ihn tatsächlich zu erleben.

 

Zum Glück hat sich Oettingen auch mit der Frage beschäftigt, wie man dieses Problem umgeben kann.

 

Die Lösung: WOOP

Und endlich kommen wir auch zum Titel dieses Beitrags: WOOP. In ihm steckt nämlich die Lösung für das genannte Problem. WOOP ist eine Abkürzung und steht für wish, outcome, obstacle, plan. Ins Deutsche übersetzt also Wunsch, Ergebnis, Hindernis, Plan.

 

Die ersten beiden Punkte machen wir wie oben gezeigt ganz automatisch. Wenn wir zum Beispiel von der Ferne träumen , haben wir einen Wunsch. Dann betrachten wir Ergebnis: Wir SIND in der Ferne. Ein angenehmes Gefühl stellt sich ein. Dieses benötigen wir auch, wieso sollten wir sonst unseren Wunsch umsetzen wollen.

 

Jetzt kommt aber der heikle Teil, um den wir uns meist herumdrücken: Das Hindernis. Als Nächstes musst Du Dich also mit möglichen Hindernissen auseinander setzen, die dem Wunsch entgegen stehen. Das können bei einer erträumten Reise zum Beispiel die Kosten sein. Dadurch wird eine unterbewusste Assoziation zwischen der erhofften Zukunft und der Realität geschaffen. 

 

Als letzter Punkt folgt der Plan. Hier musst Du darüber nachdenken, wie Du das Hindernis am besten überwinden kannst. In unserem Beispiel solltest Du Dich also damit beschäftigen, wie Du das Geld für die Reise zusammen bekommen kannst. Durch den Planungsteil wird die Assoziation zwischen Hindernissen und erforderlichen Handlungen verstärkt. Das hilft, große Hindernisse zu überwinden. 

 

Und das ist auch schon das Geheimnis. So lässt sich also das angenehme In-die-Ferne-Träumen auch noch gut damit verbinden, auch wirklich in die Ferne zu reisen. Probier es doch einfach mal aus!

 

Mehr Informationen zu WOOP findest du auf der offiziellen Website. Es gibt übrigens auch zwei kostenlose englischsprachige Apps zu diesem Thema, eine für Schüler und eine fürs Business. Beide machen eigentlich genau das Gleiche, ich persönlich finde aber die Oberfläche der ersten angenehmer, weil intuitiver. Die Business-App enthält allerdings mehr Tipps zum WOOPen. Diese Infos findet man aber auch auf der Website.

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Wovon träumst Du schon lange, ohne es bisher umgesetzt zu haben?

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Kommentare: 2
  • #1

    Carla (Sonntag, 08 März 2015 18:29)

    Toller Artikel, spannend!
    ich hatte davon auch einmal gelesen, aber es wieder vergessen. Super, dass Du mich wieder daran erinnert hast. Ja, oft planen wir einfach Misserfolgserlebnisse nicht mit ein und werfen bei der ersten Hürde das Handtuch. Danke!
    Carla

  • #2

    travelisi (Montag, 16 März 2015 12:02)

    Hey Carla,
    es freut mich, dass dir der Artikel gefällt. Ich mag Konzepte, deswegen hat mich diese Umgehensweise mit Wünschen und deren Umsetzung besonders fasziniert.
    Viele Grüße, Lisa